Frank-Walter Steinmeier kommt nicht gut an in Israel

Frank-Walter Steinmeier’s erster Besuch in Israel

Frank-Walter Steinmeier; Foto: Armin Kübelbeck; Lizenz: CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons

Frank-Walter Steinmeier;
Foto: Armin Kübelbeck;
Lizenz: CC-BY-SA-3.0
via Wikimedia Commons

Kürzlich wurde mir ein Artikel aus Israel zugemailt, der es wert ist, dass ihn viele lesen. Aus der Sicht des engagierten  jüdischen Zeitgenossen Michael Freund [Founder and Chairman of Shavei Israel] wird besonders die Haltung unserer derzeit maßgeblichen deutschen Politiker zu der z.Zt. viel diskutierte Frage des jüdischen Siedlungsbaus in den umstrittenen Gebieten „Judäa und Samaria“ unter die Lupe genommen. Dabei bekommen sie miserable Noten. Wir dürfen diese Kritik nicht einfach der „political correctnes“ wegen wegschieben. Vielmehr sollte es uns ein Augenöffner sein, inwieweit unsere Solidarität mit Israel wirklich geht. Bitte lest den Artikel und zieht daraus Eure Schlüsse.
Danke an „Mirjam“, die den Artikel ins Deutsche übersetzt hat. Besuche mal ihren interessanten Webblog.

Warum sagt Deutschland den Juden, wo sie leben sollen?

Von Michael Freund

Mit einem unfehlbaren Sinn für das richtige Timing, kam der Deutsche Außenminister F.W. Steinmeier Anfang letzter Woche in Israel an, nahm an der Beerdigung von Ariel Sharon teil und ging danach dazu über, Israel in der Öffentlichkeit unter Druck zu setzen. Vor Reportern warf Steinmeier dem jüdischen Staat vor, den Friedensprozess zu „beeinträchtigen“, indem er Häuser für Juden in Judea und Samaria baut. Und in einem Gespräch mit Ministerpräsident Netanjahu am Rande von Ariel Sharons Bestattungsfeier bedrängte er den Ministerpräsidenten, von weiteren Bautätigkeiten Abstand zu nehmen, da diese „den Prozess stören könnten“.

Ich kenne mich ja mit Trauerritualen bei den Deutschen nicht so aus, aber ich vermute, dazu gehört nicht, den Gastgeber gleich nach der Beerdigung zu beleidigen. Aber Steinmeier dachte sich offensichtlich nichts Böses dabei – wo er schon mal in Israel war – genau das zu tun: die Gelegenheit (aus-)nützen, um ein politisches Thema herauszuheben, egal wie geschmacklos und unpassend es war, das zu tun. Das ist nicht die Art von Benehmen, die man von einem „Freund“ erwarten würde, oder?
Was noch schlimmer ist bei Steinmeiers Großtat, ist die Geschichtsamnesie der deutschen Regierung, in denen die Offiziellen, bar jedes Sinns von Ironie bezüglich ihrer Position, gelassen sind, wenn sie über das Recht von Juden, in Judäa und Samaria zu leben, sprechen. Schließlich ist es nicht einmal acht Jahrzehnte her, dass Deutschland mit den Nürnberger Gesetzen von September 1935 Juden aussonderte, in der Absicht, sie aus der Zivilgesellschaft auszustoßen, als ersten Schritt zu einer „Säuberung“ der deutschen Erde von ihrer Gegenwart. Dementsprechend wurden in den Gebieten unter deutscher Herrschaft die Rechte von Juden, dort zu leben, wo sie es passend fanden, stark eingeschränkt.

Man würde meinen, angesichts dieses dunklen Kapitels in ihrer Geschichte, würden die Deutschen besonders vorsichtig damit umgehen, wenn sie sich in ein solches Thema hineinwagten und verkünden, wo Juden leben, bauen oder ihre Familien aufbringen können.

Aber leider verhält es sich nicht so. Tatsächlich wurde überall berichtet, dass Berlin die europäische Initiative, die jüdische Unternehmen in Judäa und Samaria aussondert, unterstützt. Diese Bewegung will diese Firmen besonders behandeln, was das spezielle Kenntlich-machen von Produkten, die jüdische Firmen in den arabischen Gebieten herstellen, bedeutet. Natürlich würden Güter aus palästinensischen Fabriken nicht in ähnlicher Weise markiert.

Die Heuchelei dieses Markierungs-Feldzuges wird offensichtlich, wenn man bedenkt, das keinerlei solcher Kampagnen bei anderen „umstrittenen Gebieten“ erwägt wird. Demnach gibt es keine europäische Forderung, chinesische Produkte aus Tibet, russische Güter, hergestellt in Tschetschenien oder spanische Waren aus Katalonien zu kennzeichnen. Es scheint, dass, nur wenn es um den jüdischen Staat geht, bestehen die europäischen Liberalen auf solchen Maßnahmen. Das ist nicht nur Falschheit, es ist schlicht und einfach Diskriminierung. Und im Fall von Deutschland ist solch eine Haltung besonders empörend und die Regierung Angela Merkel sollte sich schämen, dabei mit zu machen.

Was immer man über den Friedensprozess und die Zwei-Staaten-Lösung denkt, es sollte doch klar sein, dass wenn man Waren und Gebäude unterschiedlich behandelt, nur weil der Besitzer der Fabrik oder der Erbauer des Hauses ein Nachfolger von Moses und nicht von Muhammed ist, das eine Art Fanatismus ist.

Und im Licht seiner eigenen unwürdigen Akte während des 20. Jahrhunderts, haben Deutschland und seine Politiker eine besondere Verantwortung, ausgesprochen sensibel bezüglich solch einer Thematik zu sein, erst recht, wenn sie mit Juden zu tun hat. Niemand deutet an, dass Deutschland einen zweiten Holocaust plant, aber das Land muss ein geschärftes Bewusstsein bezüglich der schmerzhaften Ironie, die hier zutage kommt, aufbringen.

Im Jahr 1936 wurde ein Brettspiel namens „Juden raus“ im ganzen Reich sehr populär. Die Spieler mussten Figuren die Juden darstellten, in Richtung „Sammelstellen“ schieben, von wo aus sie dann ins Land Israel deportiert wurden. „Wenn du es schaffst, sechs Juden rauszujagen“, so die Anleitung des Spiels, „dann hast du klar gewonnen!“

Traurig, dass Deutschland jetzt wieder ein ähnliches Spiel spielt, wenn auch mit einem Unterschied. Wenn früher das Ziel darin bestand, Juden hinaus nach Israel zu schicken, ist die Absicht jetzt, uns aus Teilen davon rauszuwerfen. Aber ich habe eine Neuigkeit für Frau Merkel und ihre Kollegen: Niemand – erst recht nicht Deutschland – hat das Recht, Juden zu sagen, wo sie leben und nicht leben dürfen. 1945 krochen die Juden aus den europäischen Öfen heraus und nahmen erfolgreich unser angestammtes Heimatland in Besitz. Egal was Berlin denken oder sagen mag, wir werden keinen einzigen Teil davon wieder hergeben.

Quelle: TheJEWISHPRESS.com
Published: January 17th, 2014
Link zum englischen Original: http://www.jewishpress.com/indepth/columns/fundamentally-freund/why-is-germany-telling-jews-where-to-live/2014/01/17/

About the Author: Michael Freund is the Founder and Chairman of Shavei Israel. He writes a syndicated column and feature stories for the Jerusalem Post, Israel’s leading English-language daily, and he previously served as Deputy Director of Communications & Policy Planning in the Prime Minister’s Office under Benjamin Netanyahu. A native of New York, he holds an MBA in Finance from Columbia University and a BA from the Woodrow Wilson School of Public and International Affairs at Princeton University.
Read more at: http://www.jewishpress.com/indepth/columns/fundamentally-freund/why-is-germany-telling-jews-where-to-live/2014/01/17/

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