Die Wiederherstellung Israels und des endzeitlichen Heils nach dem Zeugnis der Bibel

Was haben wir als Gemeinde Jesu für die kommenden Jahre für Israel zu erwarten? Und was ist unsere herausragende Aufgabe als Gemeinde Jesu am auserwählten Gottesvolk Israel?

Was kommt auf uns zu?
Unbestritten ist: Am vollendeten Ziel der Heilsgeschichte wird Gott herrschen von Zion aus: „Der neue Himmel und die neue Erde … Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;“ (Offb 21,1.3.5)
Zuvor erwarten wir allerdings das messianische Friedensreich Jesu auf dieser (noch alten) Erde. (Offb 20,6) Vorausgehend die Entrückung der Gemeinde Jesu. (1.Thess 4,13-18)

Weit auseinander dagegen gehen die Meinungen, welchen Weg Gott mit seinem Heilshandeln hin zu diesem Ziel beschreiten wird. Und v.a. was auf diesem Weg Gottes auserwähltes Volk Israel zu erwarten hat.

Es stehen sich v.a. zwei Positionen gegenüber:
Die eine Position: Gemäß der Fülle der Heilsverheißungen für Israel wird Gott in den weiter anwachsenden Kampf um Jerusalem rettend eingreifen und „über das Haus David und über die Bürger zu Jerusalem (will ich) ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets …“; und sie werden ihren gekreuzigten Messias erkennen und umkehren. Und der Herr wird die Bürger Jerusalems und das Haus Davids erretten. „Zu der Zeit werde ich gedenken, zu vertilgen alle Heiden, die wider Jerusalem gezogen sind …“ (Sach 12,2.7.9.10)

Die andere Position:
Bevor Gott seinem Volk rettend und helfend begegnet und mit ihm den verheißenen „Neuen Bund“ aufrichtet, wird ein schreckliches Gericht über das Volk Israel ergehen. In den allermeisten Stellen der Heiligen Schrift, die vom Erscheinen des Messias berichten, wird dies mit allerschwersten Gerichtszeiten zusammengesehen. Z. B.: Dem Propheten Jeremia wird geoffenbart, wie Gott das „Gefängnis seines Volkes“ für immer wenden will (Jer 30,3) doch nicht ohne einen „Tag ohnegleichen der Drangsal für Jakob“ Jer 30,7.
Neben vielen anderen biblischen Propheten wird dies beim Propheten Joel zusammenhängend gezeigt. Da lesen wir dessen flammenden Aufruf zur Buße angesichts des Tags des Herrn, ab Jo 1,13: „Umgürtet euch und klagt, ihr Priester! Jammert, ihr Diener des Altars! … „Ach, was für ein Tag! Ja, der Tag des Herrn ist nahe, er kommt als eine Verwüstung vom Allmächtigen! (V15)
Stoßt in das Schopharhorn in Zion und blast Lärm auf meinem heiligen Berg, dass alle Bewohner des Landes erzittern; denn der Tag des Herrn kommt, ja, er ist nahe — ein Tag der Finsternis und des Dunkels, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels. …(Jo 2 ,1f) Ja, groß ist der Tag des Herrn und sehr schrecklich; wer kann ihn ertragen? Doch auch jetzt noch, spricht der Herr, kehrt um zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! …(Jo 2,11f)

Erst danach kommt nach Joel die Wende vom Herrn: Die Verheißung der Wiederherstellung für Israel nach dem Endgericht.

Warum ich zur zweiten Ansicht neige und welche Konsequenzen für mich daraus ergeben habe ich im einzelnen entfaltet und kann es im vollständigen Dokument hier nachgelesen werden: Das biblische Zeugnis von der Wiederherstellung Israels

Ich kann mich einfach nicht meiner Verantwortung entziehen, danach zu ringen und danach zu fragen: Wie denkt Gott über die gegenwärtige Lage? Wie beurteilt Gott den jüdischen Synagogengottesdienst, die orthodoxen und die säkularen Juden heute? Wie beurteilt Gott unsere Kirche? Unsere Gesellschaft? Was will uns Gott mit den bislang gescheiterten Friedensbemühungen sagen, mit dem anwachsenden Antisemitismus weltweit? Fragen wir überhaupt nach Gottes heilsgeschichtlichen Plänen. Wer kommt denn auf den Gedanken danach zu fragen: Was will Gott uns mit diesen Erschütterungen in den Nachbarstaaten Israels sagen? Aufruhr, Bürgerkriege, Umstürze, Revolutionen und ebenso Naturkatastrophen sind doch nicht einfach – verschuldete oder auch nicht – „Verhängnisse“, die mit Gott nichts zu tun hätten.

Und nochmals: „Wie beurteilt Gott sein geliebtes Bundesvolk heute?“ Beurteilt er es etwa anders als zu Zeiten der Propheten, zu den Zeiten Jesu, Paulus und der Apostel? Welches Argument könnte die Ansicht rechtfertigen, dass die (frommen) Juden, das Gottesvolk Israel, während der Gemeindezeit in den vergangenen knapp 2000 Jahren „suspendiert“ gewesen sein könnten die Botschaft vom Erlöser zu hören, um sich zum Glauben an den Messias zu entscheiden und gerettet zu werden! Die im NT erwähnte „Verstockung“ ist doch nicht nur „die Chance für uns“ (Rö 11,15; 2.Kor 3,14-18), sondern auch Gottes Gericht an Israel wegen der Verwerfung ihres Messias – und mehrheitliche Ablehnung des Auferstandenen bis heute (2.Kor 3,16). Aus welchem Grund sollte die Evangeliumsverkündigung an das Volk Israels in den Jahrhunderten nach dem Kommen des Messias nach Gottes Willen eingestellt worden sein? Für Paulus, den Sonderbotschafter Jesu für die Nationen, war das doch gar nie ein Thema. Immer waren bei ihm die Juden die erste Adresse für das Evangelium (Apg 13,46f; Rö 9,3.4). Die leidenschaftliche Liebe Gottes zum Volk Israel hatte ihn besonders erfasst.

Auf diese Fragen brauchen wir eine Antwort – Gottes Antwort. Mit „wir“ spreche ich von der Gemeinde Jesu aus Juden und Nichtjuden. Und daran muss sich dann auch unser Auftrag und Dienst orientieren. Eventuell auch neu ausrichten.

Ich persönlich neige dazu, mehr wie bisher jene Dienste zu unterstützen, die den Juden ihren Messias bezeugen. Ich kann verstehen, wenn Politiker – z.B. säkulare Juden – „dankbar sind für Deutsche (die sich) dafür einsetzen, (den Holocausüberlebenden) ihnen ihre letzte Lebensphase zu erleichtern.“ (aus dem Grußwort des israelischen Botschafters Yakov Hadas-Handelsman bei der Initiative 27.Jan in Berlin) Aber sind wir in dieser besonderen Stunde nicht v.a. dazu von Gott berufen, Israel die Heilsbotschaft seines Messias zu bezeugen, dass noch viele Juden gerettet werden? Es ist doch auch Juden gesagt und gilt für sie genauso wie Nichtjuden: “ Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“ (Joh 3,36)

Mühlacker, 24.2.2014

 

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