Einblicke und Durchblicke in Gottes Heilsgeschichte – bei Nehemia K.1

Gottes Heilsgeschichte mit seiner Menschheit ist aufs engste verwoben mit der Weltgeschichte. Sie sind nicht voneinander zu trennen. – Was Jahrtausende miteinander verbinden

Unsere gesamte Menschheitsgeschichte von Adam an hat einen Anfang und ein Ziel. Wir sind keineswegs einer Vielzahl von Zufälligkeiten unterworfen, sondern da herrscht einer über uns, der einen Plan hat. Und nach seinem Plan läuft die Geschichte der Menschheit ab. Dieser eine ist der allmächtige und ewige Gott. Er ändert sich nicht. Er ist derselbe: gestern, heute und in Ewigkeit. Aber die Menschen und die Reiche dieser Welt ändern sich – und zwar nach göttlichem Plan. Gottes Ziel mit seiner Menschheit ist dies: Die Macht der Sünde soll in dieser Welt gebrochen, Tod und Teufel sollen besiegt und überwunden werden. Unsere Erde soll unter der Herrschaft Gottes und seines Messias in ein Friedensreich verwandelt werden.

Das Buch Nehemia im AT ist das letzte der Geschichtsbücher. Obgleich in den meisten gängigen Übersetzungen Esra und Nehemia jeweils eigenständige Bücher sind, gehörten sie womöglich einst zusammen und bildeten eine Einheit, so wie es auch heute noch in hebräischen Handschriften ist.

Mit dem was wir aus dem Nehemiabuch erfahren, werden uns Einblicke in eine ganz besondere, in eine entscheidende Stunde der Heilsgeschichte Gottes mit seinen Menschen gewährt.
Was ist das Besondere daran? Wir werden Zeugen einer Umbruchzeit in Gottes Heilsgeschichte. Die Zeit des sogenannten Alten Bundes mit dem Gottesvolk Israel neigt sich seinem Ende zu und die Zeit des Neuen Bundes wird vorbereitet.

Einige Sätze zur Person des Nehemia: Von Beruf war Nehemia ein sehr hoher Beamter am Hof des Königs von Persien, Artaxerxes I (464-424 v. Chr.). Nehemia, dieser  hebräische Name hat die Bedeutung „Jahwe tröstet“, also der HERR, Gott, tröstet. Sein Vater war Hachalja. Der war zusammen mit einer von drei Gruppen aus seiner Heimat Juda ins Exil verschleppt worden. Dies passierte im Abstand einiger Jahrzehnte zwischen ca 605 bis 586 v.Chr. Nehemia selbst wurde erst in der Gefangenschaft geboren. Er kannte daher die Heimat seiner Vorfahren nur vom „Hören-Sagen“. Seine hohe Funktion am persischen Königshof wird in unserem Text mit „Mundschenk“ bezeichnet.  Eine sehr hohe, bedeutende und verantwortungsvolle Position. Eine besondere Vertrauensstellung, also eher zu beschreiben als eine Art Privatsekretär. Als Mundschenk von König Artaxerxes I. hatte Nehemia sowohl eine verantwortungsvolle (er musste sicherstellen, dass der Wein des Königs nicht vergiftet war) als auch eine einflussreiche Position, denn ein solch vertrauenswürdiger Diener wurde oft zu einem engen Berater.

Etwa um dieselbe Zeit, bzw. kurz davor lebten die letzten Propheten im AT, Sacharja und Maleachi. Wenig mehr als 500 Jahre vor Chr., also vor der Zeitenwende. Mit diesen beiden letzten Propheten des AT hörte Gott für lange Zeit auf mit seinem Volk zu reden. Die Zeit der Propheten war zu Ende gegangen. Wenig mehr als 5 Jahrhunderte wird es noch dauern, bis Gott ganz neu und noch einmal ganz anders zu seinem Volk redet, ja überhaupt zur ganzen Menschheit: Dann nimmt Gott selbst Menschengestalt an. Er wird in seinem Sohn zu seinem Volk kommen. Gott kommt vom Himmel auf die Erde. Und mit Jesus v. Nazareth bricht eine ganz neue Zeit an. Im Joh.-Evglm erfahren wir: „Das Wort Gottes wurde Fleisch, d.h. nahm Menschengestalt an, und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit“. (Joh 1,14) Gottes zuvor ergangenes Wort durch Mose und die Propheten war allerdings durch das Kommen Jesu nicht hinfällig geworden. Vielmehr „musste sich alles erfüllen was über ihn – von Jesus – im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen geschrieben steht.“ (Lk 24,44) So erklärte es der auferstandene Jesus später seinen beiden völlig frustrierten Jüngern als diese am Abend des Auferstehungstages Richtung Emmaus wanderten. Von der Auferstehung Jesu hatten sie zwar gehört, sie aber weder einordnen noch glauben können.

Die Zeit von Esra und Nehemia waren also heilsgeschichtlich betrachtet eine ganz besondere Umbruchzeit. Es mussten in der Geschichte des Volkes Gottes alle erforderlichen Voraussetzungen für das Kommen des Messias Jesus und sein Rettungshandeln geschaffen werden. Sowohl die äußeren, sprich die politischen, als auch die inneren, die geistlich religiösen.

Dies war ca 140 Jahre zuvor geschehen: Seit 586 v. Chr. lebte das Volk der Juden mit nur wenigen Ausnahmen im Exil. Tausende von Kilometern entfernt vom „verheißenen Land“ in der babylonischen Gefangenschaft. Gottes Gerichtsankündigungen durch Mose (z.B. 3.Mo 20,22) und die Propheten haben sich in schrecklicher Weise erfüllt. Das von Gott verheißene Land, das Josua dem Volk Israel rund 1000 Jahre zuvor ausgeteilt hat und in dem Jahrhunderte später König David sein Großreich aufgebaut hatte, hat seine Bewohner „ausgespien“.

Aber damit war Gott mit seinen Heilsplänen keineswegs am Ende. Im Gegenteil: Es war die Zeit gekommen, ein neues Kapitel seiner Heilsgeschichte aufzuschlagen. Gott selbst wird in seinem Sohn Jesus Christus auf die Erde kommen, um Sünde, Tod und Teufel zu besiegen. Dieses heilsgschichtliche Ereignis besonderer Art musste vorbereitet werden.

Machen wir uns bewusst: Der „Neuen Bund“ wurde mit dem 3 jährigen Wirken des Gottessohnes mit Kreuz und Auferstehung auf dieser Erde aufgerichtet. Es war ein kurzer – aber wunderbarer Höhepunkt in Gottes Heilsschaffen in seinem Kampf gegen Satan und seine Macht. Gott selber erschien in seinem Sohn in dieser Welt. Satan der urzeitliche Gottesrebell war lange zuvor aus dem Himmel auf die Erde geworfen worden. Damit wurde unsere Erde zum Schauplatz der Auseinandersetzung Gottes mit Satan. Es kam zur Entscheidung. Gottes ewiges Wort wurde Fleisch – d.h. Mensch – und wohnte unter uns. In der Person des Jesus von Nazareth.

Dieses zentrale Ereignis in Gottes Geschichte mit seinen Menschen konnte nirgends anders als in der Stadt Davids, nirgends anders als in der Stadt des großen Königs, nirgends anders als in der Hauptstadt des kommenden messianischen Friedensreiches geschehen.  Hier in Jerusalem musste das zentrale Ereignis der Heilsgeschichte Gottes mit Kreuz und Auferstehung  Jesu stattfinden.

Und um diese Vorbereitung geht es im Esra und Nehemia Buch. Die nimmt hier ihren Anfang. Wie hat Gott das gemacht? In göttlicher Souveränität greift Gott ein in das Weltgeschehen. Er beruft sich Menschen, öffnet ihnen die Schrift, schenkt Weisheit und Erkenntnis, er formt sie, befähigt sie, leitet sie und schenkt Gelingen. Schon erstaunlich, wie Gott sich dazu Menschen unterschiedlicher Herkunft, Stellung und Berufe bedient. Nehemia selbst zeigt ein vorbildliches Gottvertrauen und ist zu gößtem persönlichen Opfer bereit.

Das ganze Nehemia-Buch kann unter das Thema gestellt werden:  „die gute Hand Gottes“.  Es lohnt sich das ganze Nehemiabuch einmal im Zusammenhang durchzulesen. Dabei wird deutlich wie treffend der Kommentar von Mc. Arthur in der Studienbibel zur Stelle ist: „„Das vorbildliche Verhalten des berühmten Mundschenks wird bei weitem noch von Gott übertroffen, der dafür sorgte, dass die Mauern Jerusalems trotz des vielen Widerstands und der enttäuschender Rückschläge aufgebaut werden konnten“.

Gott hat Gnade gegeben, dass die Voraussetzungen für das erste Kommen des Messias geschaffen werden konnten. Wir werden Zeugen einer Umbruchzeit in Gottes Heilsgeschichte.

Beeindruckend zu sehen, wie Gott just zu diesem Zeitpunkt Gunst und Wohlwollen unter den Vorstehern seines Volkes und im Volk selbst gewirkt hat. Proteste und Rebellion konnten durch Nehemia im Keim erstickt werden. Seine Leute haben es sich sagen lassen. Ja, es stimmt: „Wenn die Stunden sich gefunden bricht die Hilf mich Macht herein, und dein Grämen zu beschämen wird es unversehens sein.“

Ausführlich wird im letzten Teil der Bibelarbeit auf die Frage eingegangen: Was lehrt uns Gottes Wort über Nehemia für unsere Zeit heute? Was hat sich in den 2 1/2 Jahttausenden nicht geändert und was ist „neu geworden“? Wir leben 2500 Jahre nach Nehemia. Gott ist derselbe geblieben. Seine Ziele mit uns Menschen sind dieselben geblieben. Seine Liebe und sein Erbarmen sind uns zugewandt. Gott sei Dank! Denn von Natur aus sind wir Sünder und bedürfen der Befreiung und Heilung. – Auch daran hat sich seit Nehemias Zeiten nichts geändert. Während Nehemia aber noch z. Zt. des „Alten Bundes“ lebte, so finden wir uns heute im „Neuen Bund“ Gottes vor. Nach Gottes Rettungstat in Jesus mit Kreuz und Auferstehung sind wir eingeladen durch den Glauben an Jesus  Kinder Gottes zu werden. Dann lebt Jesus Christus in uns. Eine ganz neue Qualität der Gottesbeziehung.

Der Apostel Paulus beschreibt dieses göttliche Erbarmen so in Gal 4,4ff: „Als dann aber die Zeit herangekommen war, sandte Gott seinen Sohn. Er wurde von einer Frau geboren und unter das Gesetz gestellt.5 Er sollte die loskaufen, die unter der Herrschaft des Gesetzes standen, damit wir das Sohnesrecht bekämen. 6 Weil ihr nun Söhne seid, gab Gott euch den Geist seines Sohnes ins Herz, der „Abba! Vater!“ in uns ruft. 7 Du bist also nicht länger ein Sklave, sondern Sohn! Und wenn du Sohn bist, dann hat Gott dich auch zum Erben gemacht.

Zusammenfassend soll gesagt sein:

Die Geschichte Nehemias will kann für uns ein Vorbild sein für unseren Lebensweg in der Nachfolge Jesu.  Lassen wir uns davon inspirieren!!! Dann sind wir bereit für die Wiederkunft Jesu.

Der vollständige Vortrag wurde am 23.4.17 in Rutesheim im API Zentrum gehalten.  Er kann unter folgendem Link gelesen und heruntergeladen werden: Neh_1_BiStd_bei_API_in_Rutesheim

 

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