„Volk Israel und Gemeinde Jesu – was haben die miteinander zu tun?

Seit vielen Jahren schon beschäftige ich mich mit dem Volk Gottes „Israel“. Eine Zeitlang haben meine Frau und ich auch selbst in Israel unter Holocaustüberlebenden beim Liebenswerk Israel Zedakah mitgearbeitet. Viele Begegnungen mit Juden haben mich – von Beruf war ich landeskirchlicher Pfarrer – theologisch nachhaltig geprägt. Besonders aber wurde ich tief davon überzeugt, dass die ganze Bibel – AT und NT eine wunderbare Einheit bilden. Gott hat zu uns Menschen in seinem Wort gesprochen. Und Gott redet heute zu uns in seinem Wort. Die Bibel bekräftigt: „Das Wort des Herrn ist wahrhaftig und was er zusagt, das hält der gewiss.“ (Ps 33,4) Die letzten 15 Jahre des Ruhestandes waren in Bezug auf mein Verständnis für das Geschehen um Israel geprägt von meiner Beziehung zu der „Gemeineinschaft der Versöhnung“ (GdV: www.gdv-cor.org/)

Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren existiert diese Gemeinschaft. Ihre Glieder leben und wirken an verschiedenen Orten: In Jerusalem, in der Zentrale in Winterthur, Schweiz, in einem Zentrum (Mühle) bei Sisteron (Südfrankreich) und seit einigen Jahren auch im Libanon, dort im libanesisch syrischen Grenzgebiet unter syrischen Flüchtlingen . Durch verbindliche geistliche Gemeinschaft, mit täglichem gemeinsamem Gebet treiben sie Freundschaftsevangelisation und bringen so die frohe Botschaft von Jesus zu Juden und Arabern und stiften auch Versöhnung unter ihnen. Ihre Frucht ist nicht zu übersehen. Über viele Jahre fand in Jerusalem eine deutschsprachige  Studienwoche statt. Meine Frau und ich haben regelmäßig in den letzten Jahren daran teilgenommen. Für mich so etwas wie ein „Jahresupdate“ zu den Entwicklungen in Israel – politisch, gesellschaftlich – aber auch geistlich war dies eine große Bereicherung für uns.

In diesem Jahr 2017 begeht die Evangelische Kirche in Deutschland am 20. August den jährlichen Israelsonntag. Als Predigttext für diesen Tag ist der Abschnitt aus dem 2. Buch Mose, Kap 19,1-6 vorgegeben.

Israel am Sinai – Vorbereitung auf die Gesetzgebung

1 Im dritten Monat nach dem Auszug der Söhne Israel aus dem Land Ägypten, an ebendiesem Tag kamen sie in die Wüste Sinai.

2 Sie brachen auf von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich in der Wüste; und Israel lagerte sich dort dem Berg gegenüber.

3 Mose aber stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berg aus zu: So sollst du zum Haus Jakob sagen und den Söhnen Israel mitteilen:

4 Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan und wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe.

5 Und nun, wenn ihr willig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, dann sollt ihr aus allen Völkern mein Eigentum sein; denn mir gehört die ganze Erde.

6 Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst.

Gewiss eine alte Geschichte aber deshalb keineswegs eine veraltete.

Diese Ereignisse liegen ca 3 ½ Jahrtausend zurück. Und doch sind sie brandaktuell. Und dies umso mehr je näher wir dem Ziel von Gottes Weltgeschichte entgegeneilen. Das ist zum Einen die Wiederkunft Jesu zur Entrückung der Gemeinde und zum andern wird Jesus Christus Gottes messianisches Friedensreich auf dieser Erde aufrichten. Der allmächtige Gott, der Schöpfer des Universums ist gestern, heute und in Ewigkeit derselbe. Er hat sich in Jahrtausenden nicht gewandelt. Gott ist dabei mit seinem Volk Israel Geschichte zu machen; Heilsgeschichte für die ganze Welt. Gott holt sich dazu weder die Zustimmung der Großmächte noch die des UN-Weltsicherheitsrates ein. Gott hat seinen Plan. Der liegt seit Jahrtausenden fest. Die Propheten haben ihn verkündet. Jesus sagte: „Ihr habt Mose und die Propheten, die hört“. Wenn wir dem biblischen Zeugnis glauben wissen wir wo’s lang geht. Wer hätte vor 100 Jahren gedacht, dass einmal Volk Israel und Land Israel die ganze Welt mit dem Nahostkonflikt in Atem hält. Und das, weil die Völker – einschließlich Israel – anders wollen als Gott. Damit sind wir auch schon beim zentralen Thema des Israel-Sonntags 2017.

Israel bleibt auf dem Terminkalender der Weltpolitik

Vor mehr als 3000 Jahre hat Gott dort in der arabischen Wüste einen entscheidenden Anfang seiner Heilsgeschichte gesetzt. Diese ist seitdem im Gange und sie wird sie sich in Zukunft unvorstellbar herrlich entfalten; das Ziel ist nichts geringeres als das Friedensreich des Messias auf unserem blauen Planeten. Wir brauchen dazu nur auf Gottes Wort zu hören. Dann können wir unsere Zeit verstehen und auch das Geschehen heute recht deuten. Die Zeiten werden turbulenter. Jesus selbst kündigte für die letzte Zeit vor seinem Kommen allerschwerste Bedrängnisse an, wie sie sie zuvor nicht gewesen seien.

Die entscheidende Grundlegung für die einzigartige Stellung und Zukunft Israels, des Volkes Gottes, in der Völkerwelt hat mit genau dem geschichtlichen Ereignis unseres heutigen Bibelabschnitts zu tun. Der ewige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, hat sich den Israeliten dort am Berg Sinai gezeigt, oder sagen wir es theologisch: der unsichtbare Gott hat sich vom Himmel her geoffenbart. Gott ist dort den Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs begegnet, nachdem er zuvor sein Volk aus einer Jahrhunderte währenden Sklaverei herausgerettet und befreit hatte.

Gottes Volk musste wissen, dass es seine Errettung seinem Gott zu verdanken hatte und wozu sie aus der Sklaverei befreit wurden.

Das Volk musste auf seine Sonderstellung in der Völkerwelt vorbereitet werden. Hinfort durfte nie mehr in Vergessenheit geraten, wem das Volk seine Befreiung verdankte und wozu es befreit wurde. Auch wenn dies in den nachfolgenden Zeiten immer wieder aus dem Blick geriet und Gottes Volk sich von seinem Gott lossagte, ein Fundament war gelegt. Darauf hat Gott immer wieder neu aufgebaut.

Dort am Sinai machte Gott Israel unsterblich. Israel ist in die Freiheit geführt worden, um für immer Eigentumsvolk Gottes zu sein.

Befreiung also wozu? Eigentumsvolk Gottes sollen sie sein? (V6) Ihr sollt aus allen Völkern mein Eigentum sein; denn mir gehört die ganze Erde. Der Schöpfer und Herrscher des Universums lässt sein erwähltes Volk wissen, was sie sein werden, wozu sie bestimmt sind: „Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein.“

Einzigartig ist diese göttliche Bestimmung. Das Volk Israel wird in eine Mittlerfunktion zwischen Gott, dem Schöpfer, und seinem Geschöpf, Mensch, hineingerufen.

Gott hat sich mit dem Volk Israel ein Instrument geschaffen mit dem er die ganze von ihm abgefallene Menschheit wieder zurechtbringen wird. Gott schafft unserer Welt eine Zukunft. Israel ist dafür sein Werkzeug. Dazu hat Gott die Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft befreit und es mit sich verbündet für Zeit und Ewigkeit. Israel ist und bleibt für immer Gottes Eigentumsvolk und er wirkt durch sein Volk. Gott wirkte in der Vergangenheit, er wirkt in der Gegenwart und er wird in Zukunft wirken.

Lesen Sie hier die ganze Predigt:

2.Mo_19,1-6_Predigt_für_Israelsonntag_Kleinsachs._2017

Es wird darin aufgezeigt welche Gemeinsamkeiten das Volk Israel in der Bibel mit der neuzeitlichen Gemeinde Jesu Christi hat. Aber auch welche Unterschiede zu beachten sind. Der Schlüssel lautet:

Wir als Gemeinde Jesu – und das Volk der Juden sind wie zwei Geschwister einer Familie – und zwar der Gottesfamilie. Zwei verschiedene Personengruppen, mit gewichtigen Gemeinsamkeiten. Wir stammen vom selben Gott-Vater als unserem Schöpfer ab. Wir haben geistlich gesehen dasselbe Erbgut, wir sind in übertragenem Sinne auch blutsverwandt – erlöst durch das Blut des Juden Jesus.

Aber wir unterscheiden uns auch. Wie sich eben zwei Geschwister unterscheiden. Geschwister haben verschiedene Gaben, unterschiedliche Begabungen, verrichten unterschiedliche Aufgaben und v.a. unterscheiden sie sich in ihren Biografien und ihren Lebenszielen. Wie sich das im Einzelnen auswirkt wird ausführlich behandelt.

Gottes Heilsgeschichte spannt einen weiten Bogen über die letzten 3 – 4 Jahrtausende. Diese Heilsgeschichte ist uns erschlossen im Wort der Bibel. Jede Zeit – auch die heutige kann Gott am Werke sehen: An seinem Eigentumsvolk Israel. Und an uns – der Gemeinde Jesu. Gott erfüllt ganz gewiss was er versprochen hat. Es ist schon im Werden: Für uns, die Gemeinde Jesu, und für das Volk Israel je auf seine Weise: „Ihr werdet mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.“

 

Vier Blutmonde

„Die Sonne wird sich verfinstern, und der Mond wird zu Blut“ (Joel 2,31)

Tonight it happens! / Heute Abend es passiert ! aus Israel vom 14.4.2014

 

„Die Sonne wird sich verfinstern, und der Mond wird zu Blut“

Gedanken aus dem Nah-Ost-Report von Lance Lambert

vom Oktober 2012

 

Nach allem, was wir beobachten können, leben wir in den letzten Tagen. Für diese

Zeit kündigt uns der Prophet Joel höchst dramatische Zeichen an: „Die Sonne wird

in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und

schreckliche Tag des Herrn kommt“ (Joel 3,4). Jesus selbst greift diese

Prophezeiung auf, in seiner Endzeitrede in Lk 21,25-26, und auch Petrus zitiert dieses

Prophetenwort in seiner flammenden Rede in Apg 2, 20-21.

 

Sonnenfinsternisse sind uns vertraut und sorgen auch heute noch für Aufsehen. Aber

wie soll sich der Mond in Blut verwandeln? In der populärwissenschaftlichen

Zeitschrift Wissenschaftsmagazin kann man nachlesen, dass „Blutmond“ die gängige

Bezeichnung für eine totale Mondfinsternis ist, im Internet unter

www.scinexx.de/dossier-detail-135-5.html. Durch Beugung der Lichtstrahlen in der

Erdatmosphäre um den Erdball herum färbt sich bei einer totalen Mondfinsternis der

Kernschatten der Erde auf dem Mond rostbraun bis blutrot. In einem kurzen

Animations-Film der NASA läßt sich dieses Naturphänomen auch auf dem

heimischen PC beobachten: www.bild.de/news/inland/mondfinsternis/blutmond-wokann-

man-ihn-sehen-18378616.bild.html.

 

Im 1. Buch Mose wird und gleich auf der ersten Seite von Sonne und Mond gesagt,

dass diese uns als Zeichen gegeben sind. Jesus ermahnt uns, die Zeichen der Zeit zu

erkennen. In den kommenden 2 bis 3 Jahren kündigt sich nach Auskunft der NASA

eine denkwürdige Häufung von Himmelszeichen an Sonne und Mond an. 2014 und

2015 gibt es je zweimal einen „Blutmond“, da verfärbt sich also der Mond blutrot,

und das je an zwei jüdischen Hochfesten, am 1. Tag von Pessach 5774 (am

15.4.2014) und am 1. Tag von Sukkot 5775 (am 8.10.2014), und dann wieder am 1.

Tag von Pessach 5775 (am 4.5.2015) und am 1. Tag von Sukkot 5776 (am

28.9.2015), eine äußerst seltene Konstellation. Dazwischen liegt der jüdische

Jahreswechsel zum Jahr 5776 (beginnend am 13.9.2015), ein Schabat- oder

Schmitah-Jahr, ein heiliges Jahr, das nur alle 7 Jahre gefeiert wird, und in dem nach

der Schrift dem Volk Israel alle Schulden erlassen werden. Um diese Jahreswende

gibt es außerdem zwei Sonnenfinsternisse, genau an wichtigen jüdischen Festtagen,

am 1.Nissan 5775, dem Beginn des biblischen Jahres (am 20.3.2015) und an Rosch

HaShana 5776, dem modernen jüdischen Neujahrsfest (am 13.9.2015), eine

vollständige und eine partielle Sonnenfinsternis. Es dauert Jahrhunderte, bis sich eine

solche Konstellation wiederholt. Nach einer alten rabinischen Tradition ist der Mond

mehr ein Zeichen für das Volk der Juden, die Sonne hingegen mehr für die Nationen.

So richten sich alle jüdischen Feste und der jüdische Kalender nach dem Mond,

während die Kalender der Nationen vorwiegend an der Sonne orientiert sind.

Das letzte Mal, dass es in zwei aufeinanderfolgenden Jahren an jüdischen Hochfesten

je zwei Blutmonde gab, war 1967/1968. Damals kam Jerusalem nach fast zwei

Jahrtausenden wieder in jüdische Hand, in einem Existenzkrieg, den Israel nicht

gewollt hat, und der zur Vernichtung Israels führen sollte. Doch Israel ging daraus

überraschend als strahlender Sieger hervor. Davor geschah dies 1948/1949, als der

moderne Staat Israel geboren wurde. Noch in derselben Nacht fielen sieben Armeen

der benachbarten islamischen Staaten über Israel her, um es zu vernichten. Statt

dessen siegte das kleine, kaum geborene, völlig unzureichend bewaffnete Land und

gewann sogar noch Land dazu, über das von der Völkergemeinschaft zugestandene

Gebiet hinaus.

 

Das nächste Mal, dass solche „Blutmonde“ mit diesen hohen jüdischen Festtagen

zusammenfallen, in den Jahren 2014/2015, kommen noch die beiden

Sonnenfinsternisse hinzu, ebenfalls an markanten Fixpunkten des jüdischen Jahres,

und genau dann beginnt das Jahr der generellen Schuldenvergebung der Juden. Sollte

das alles reiner Zufall sein?

 

Lance Lambert gibt zu bedenken, dass diese außerordentliche Häufung von Zeichen

an Sonne und Mond die Erfüllung der alten Verheißungen des Propheten Joel

einleiten könnte, die in Joel Kapitel 3,4 bis Kapitel 4,21 so anschaulich beschrieben

sind, nämlich die volle Wiederherstellung Israels mit Errichtung des 3. Tempels

einerseits und das endgültige Gericht Gottes über die mit Israel verfeindeten Länder

andererseits, die Israel zum Teil von der Landkarte wegfegen, zum Teil aber auch

„nur“ zerteilen wollen (Joel 4,2).

 

Lance Lambert ist kein Schwärmer. Er ist seit Jahrzehnten als hervorragender,

nüchten denkender jüdischer Bibellehrer ausgewiesen, der die Zeichen der Zeit von

Jerusalem aus wachsam beobachtet und sich dabei klar und unbeirrt an dem Wort

Gottes orientiert.

 

Natürlich wissen wir damit noch lange nicht „den Tag und die Stunde“. Die kennt

nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Dennoch sind wir gehalten, die

„Zeichen der Zeit“ zu erkennen, Zeichen, die der Vater in seiner Weisheit festgesetzt

hat, damit wir uns klug verhalten, wie die klugen Jungfrauen in dem Gleichnis Jesu,

und wir bereit sind, schon heute, und an jedem neuen Tag!

Quelle: CD „Israel, Middle-East Update“ vom Oktober 2012, von Lance Lambert,

Jerusalem, www.cfri.de , auch in deutscher Übersetzung erhältlich

Dr. Wolfgang Schuler